Mittwoch, 26. Dezember 2012

Hirngespenster



Hirngespenster - Ivonne Keller
387 Seiten
ASIN: B00A4VEC9U
4,99 Euro

Klappentext:

Drei Frauen. Silvie, ihre Schwester Anna und Sabina.

Ein Unfall, der ihr Leben verändert.

Während Silvie vor der Entscheidung für ihren Liebhaber Jens und gegen ihren Mann Johannes steht, kämpft ihre Schwester Anna um ihren Verstand. Nur mit Pillen schafft sie es, den Alltag mit ihren drei Kindern einigermaßen zu überstehen. Silvie ist hin- und hergerissen: Soll sie Anna beistehen oder sich um ihr eigenes Glück kümmern? Das Schicksal kommt ihr zuvor und reißt sie mitten aus dem Leben. Als sie zu sich kommt, ist nichts mehr, wie es war. Warum kümmert sich Sabina, die Jugendliebe ihres Mannes Johannes, so liebevoll um sie? Warum kommen ihre Schwester Anna oder ihre Eltern niemals zu Besuch? Ist Anna etwa tot? Oder im Gefängnis? Und was ist aus Jens geworden?

»Gefühlvoll und ergreifend mit Augenzwinkern«

Meine Meinung:

Ich hatte das Glück, das Buch als Rezensionsexemplar lesen zu dürfen. Das Cover hat mir suggeriert, dass es sich um einen leicht zu lesenden typischen Frauenroman handelt. Dass die Autorin ihr Buch als spannenden Frauenroman mit Tiefgang und authentischen Figuren vorstellte, hatte ich wohl kurzzeitig vergessen.

Es geht um Silvie, Anna und Sabina, deren Leben eng aneinander geknüpft sind. Silvie und Anna sind Schwestern, allerdings wurde ihr zuvor gutes Verhältnis durch Annas Leukämieerkrankung in ihrer Jugend zerstört. Denn Anna glaubt, Silvie hätte ihr den Krebs eingepflanzt. Sabinas Rolle ist eine ganz andere, denn als Silvie und Johannes sich kennenlernten, stand Sabina zwischen ihnen, obwohl sie doch auch auf eine Art weit weg war. Das ändert sich im Laufe des Buches, denn schon zu Beginn lebt Silvie bei Johannes und der schwangeren Sabina.

Das Buch wird aus Sicht von Silvie erzählt, die auf eine ihr unbekannte Weise sich im Leben von Sabina und Johannes wiederfindet. Sie ist in ihrem Körper gefangen und kann sich so gut wie gar nicht verständlich machen. Sabina kümmert sich rührend um sie und auch Johannes ist immer für sie da. Silvie erzählt immer wieder Rückblicke aus ihrem Leben. Wie sie Johannes kennengelernt hat, ein Verhältnis mit Jens anfängt und schließlich zu ihm ziehen möchte. Sie erzählt auch von ihrer Schwester Anna, die es einfach nicht schafft, sich in ihrem Leben zurechtzufinden. Anna ist tablettenabhängig und  ihr Leben wird immer mehr zum Desaster. Sie kümmert sich nicht mehr um ihre Kinder und irgendwann auch nicht mehr um sich selbst. Bis sie eine Entscheidung trifft, die ihr letztendlich doch das Leben rettet.

Ich konnte das Buch vom ersten Moment nicht aus der Hand legen. Ich wollte eigentlich nur ein Stündchen lesen, war aber so gefesselt von Silvies Erzählungen, dass ich unbedingt wissen musste, was in dieser Familie bloß passiert ist. Sabina und Johannes reden über Silvie als wäre sie nicht da, sie betonen ständig, dass sie sowieso nichts versteht und der Leser weiß einfach nicht was das soll. Silvie kann normal denken, sie bekommt alles mit und macht sich auch ihre eigenen Gedanken zu allem. Sie kann nur nicht sagen, was sie beschäftigt. Die Figuren sind mir so sehr ans Herz gewachsen, dass ich das ein oder andere Mal nur fassungslos auf den eben gelesenen Satz starren konnte.

Das Buch ist tatsächlich ein spannender Frauenroman mit Tiefgang und authentischen Figuren.  Leider hat mir die Auflösung nicht hundertprozentig gefallen, aber für das tolle Drumherum und die netten Figuren gibt es von mir die volle Punktzahl. Ich möchte mehr von dieser Autorin lesen!

Dienstag, 25. Dezember 2012

Er ist wieder da




Er ist wieder da - Timur Vermes
400 Seiten
ISBN: 978-3847905172
19,33 Euro

Klappentext:

Sommer 2011. Adolf Hitler erwacht auf einem leeren Grundstück in Berlin-Mitte. Ohne Krieg, ohne Partei, ohne Eva. Im tiefsten Frieden, unter Tausenden von Ausländern und Angela Merkel. 66 Jahre nach seinem vermeintlichen Ende strandet der Gröfaz in der Gegenwart und startet gegen jegliche Wahrscheinlichkeit eine neue Karriere - im Fernsehen. Dieser Hitler ist keine Witzfigur und gerade deshalb erschreckend real. Und das Land, auf das er trifft, ist es auch: zynisch, hemmungslos erfolgsgeil und auch trotz Jahrzehnten deutscher Demokratie vollkommen chancenlos gegenüber dem Demagogen und der Sucht nach Quoten, Klicks und "Gefällt mir"-Buttons. Eine Persiflage? Eine Satire? Polit-Comedy? All das und mehr: Timur Vermes' Romandebüt ist ein literarisches Kabinettstück erster Güte.

Meine Meinung:

Um ehrlich zu sein, wusste ich nicht so recht, was mich erwartet. Zunächst habe ich in das Hörbuch reingehört, das sehr authentisch von Christoph Maria Herbst gesprochen wird. Wobei ich aber glaube, dass es einen wahnsinnig macht, über sechs CDs zuzuhören. Das Buch macht es wohl um einiges einfacher, da man seine eigene Sprechstimme im Ohr hat.

Ich denke, zum Inhalt muss ich nicht mehr viel sagen. Ich denke, dass der  Siegeszug durchs Fernsehen durchaus in unsere Zeit passen könnte, denn im Buch wird Hitler von niemandem wirklich ernst genommen. Es wird sogar angenommen, dass er seine Rolle lebt. Er kleidet sich so wie er es immer getan hat, er benimmt sich wie zu seinen Lebzeiten und er hält immer noch Reden.  Er selbst möchte einfach wieder nur die Macht erreichen, die er zuvor schon einmal besessen hat. Und das mit den Mitteln, die ihm in der heutigen Zeit zur Verfügung stehen: Internet, Privatfernsehen und Presse.

Ich muss zugeben, dass es durchaus sehr witzig ist, wenn Hitler voller Inbrunst seine Reden schwingt - und das genauso, wie er es zu seiner Zeit getan hat, allerdings liegt es eher wohl daran, dass es einfach nicht mehr zeitgemäß ist. Der Inhalt mancher Reden ist nachwievor krass. Da er aber im Buch von allen Menschen als Comedian gesehen wird, verlieren viele seiner Aussagen ihren Schrecken.

Erstaunlich, dass ein Autor sich so in einen Menschen hineinversetzen kann. Ich frage mich, wie viel Recherche da im Vorfeld nötig gewesen ist. Denn Hitler kommt als gut beobachtender, natürlich auch kritischer Mensch daher, der zu Frauen charmant ist und Kinder liebt. Er steht zu seinem Nationalsozialismus und äußert dies auch öffentlich. Manchmal habe ich versucht mir vorzustellen, dass dies wirklich geschieht und was ich von ihm halten würde. Ich muss ehrlich sagen, ich weiß es nicht. Als Comedysendung ist diese Art sicher nicht schlecht, würde mich aber nach kurzer Zeit wohl sehr nerven.

Welches Fazit ziehe ich aus dem Buch? Man kann es lesen, man kann es mögen, aber mir hätte auch nicht unbedingt etwas gefehlt, wenn ich es nicht gelesen hätte. Alles in allem hat sich der Autor schon seine Gedanken gemacht, wie ein Hitler in der heutigen Zeit ankommen würde. Letztendlich glaube ich, dass er mit seiner Einschätzung gar nicht so falsch gelegen hätte. Ich glaube allerdings nicht, dass man das Buch verteufeln muss, wie ich es in einigen Rezensionen gelesen habe. Es ist einfach eine Art von Satire, die nicht jedem gefällt.

Sonntag, 16. Dezember 2012

Renegade: Tiefenrausch


Renegade: Tiefenrausch - J. A. Souders
368 Seiten
ISBN: 978-3492702812
16,99 Euro

Klappentext:

Evies Leben ist perfekt – perfekt geplant und überwacht von Mutter, der Herrscherin über die Unterwasserstadt Elysium. Schon bald soll die 16-Jährige über die geheimnisvolle Welt regieren. Doch als sie sich ausgerechnet in ihren Feind verliebt, wird klar, dass das perfekte Leben in Elysium eine einzige Lüge ist. Elysium liegt am Grund des Meeres, abgeschirmt vom Rest der Welt. Dort hat Mutter ein Paradies für all jene Menschen geschaffen, die vor den Kriegen der Oberfläche fliehen konnten. Sie organisiert den Alltag der Bewohner, schützt sie vor Gefahren und regelt sogar die Geburten. Doch dieser Friede wird teuer erkauft – Gefühle sind in Elysium verboten, Berührungen unter Liebenden werden mit dem Tod bestraft. Evie vertraut in dieses System – doch als Gavin, ein Oberflächenbewohner, in ihre Welt eindringt, weckt der junge Mann Zweifel in ihr: Warum plagen sie Erinnerungslücken? Weshalb besteht Mutter auf Evies tägliche Therapie-Sitzungen? Und wieso kann sie sich durch Gavin an Dinge erinnern, die absolut unmöglich sind? Evie erkennt, dass sie Teil eines gewaltigen Plans ist, aus dem es für sie ohne Gavin kein Entrinnen gibt.

Meine Meinung:

Ich bin von dem Buch tatsächlich überrascht worden. Ich habe es gestern Abend erst angefangen und konnte einfach nicht aufhören. Sehr spannend, vor allem fand ich die Erfindungen von "Mutter" der Herrscherin über Elysium total interessant.

Evie ist der Meinung, dass ihr Leben perfekt ist. Gut, sie vergisst schon mal irgendwelche Ereignisse, aber das ist nicht weiter schlimm, das ist eben ihre Krankheit. Ab und an wenn sie ihr silbernes Amulett berührt, durchzucken sie Erinnerungsfetzen, aber das geht schnell vorbei und Evie lebt weiterhin das ihr von Mutter vorbestimmte Leben. Sie muss fügsam sein, dann geht es ihr gut. Warum sie ständig zur Therapie muss, weiß sie nicht, aber es ist so schön, jemanden zu haben, mit dem man reden kann. Dann tritt zufällig Gavin in Evies Leben und er bemerkt sofort, dass mit Evie etwas nicht stimmt. Gavin wird von Mutter gefangen genommen und schwebt in höchster Lebensgefahr. Evie versucht drauf hin ihm das Leben zu retten und gerät selbst in Gefahr.

"Renegade" ist das erste Buch der Autorin und hat mich überzeugt. Sie hat eine wahnsinnige Herrscherin erfunden, die alles tut um ihre Gefolgsleute unter ihrer Gewalt zu halten. Es gibt sogar eine DNA-Datenbank, denn ein großes Ziel von Elysium ist, dass dort die perfekten Menschen leben.  Erschreckend fand ich Szenen wie die Selbstschussanlagen, die immer dann losgehen, wenn jemand aus der DNA-Datenbank gelöscht wird. Nur ein Wort von Mutter und die Daten sind gelöscht. Die getroffenen Personen sterben und das nur, weil sie sich in irgendeiner Art Mutter widersetzt haben oder einfach nicht mehr ins Konzept von Elysium passen. Von Beginn an ist dem Leser klar, dass mit Evie etwas nicht stimmt, man kann sich auch denken, was es ist, aber nicht in welchem Ausmaß.

Ich habe das Buch zu schnell gelesen um tatsächlich eine Beziehung zu den Personen aufzubauen, was aber kein Problem ist, denn die Story ist so abwechslungsreich und mit immer neuen Ideen geschrieben, dass es niemals langweilig wird. Manches ist vorhersehbar, aber selbst das hat mich nicht gestört.

Von mir bekommt das Buch die volle Punktzahl und ich hoffe mehr von der Autorin zu lesen.